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Vorbereitung der Reitschüler unter physiotherapeutischen Gesichtspunkten

Da hat man den ganzen Tag in der Schule oder bei der Arbeit am Schreibtisch gesessen, oder an der Werkbank gestanden. Abends geht man dann zum Reiten. Und irgendwie will nichts klappen. Wer von uns – Reiter oder Trainer – kennt das nicht? 

Das „blöde“ Pferd ist immer steif und besonders auf der xSeite. Da muss es doch irgendeine Übung für geben, damit der „dumme Gaul“ endlich auch auf der Seite nachgibt, oder? Also muss – im optimalen Fall der Trainer her. Der soll‘s richten – durch Beritt oder durch Unterricht. Manchmal gibt es dann sogar eine Verbesserung. Aber – oh weh- einige Wochen (oder Tage) später das gleiche Spiel…

So oder so ähnlich haben wir es doch alle schon mal erlebt.

Aber – ist es immer das „dumme, sture Pferd“ oder sind es nicht viel mehr wir, die steif, unglenk, und „unnachgiebig“ sind?

Am 30.11.2013 trafen sich 10 Interessierte zur Trainerfortbildung, zu der Ralf Seedorf auf seine Roofman Ranch in Dönsel eingeladen hatte.

Die Gruppe war sehr gemischt ( 1 nur Interessierte, 2 die in Kürze ihren Trainerschein erwerben wollen, 6 Trainer B, und 1 Trainer A) Eines war allen gemein: Wir waren gespannt was sie erwartet.

Nach der freundlichen Begrüßung durch Ralf Seedorf und Melina Abratis ging es gleich los. Und zwar mit – reiten.

Einige hatten ihre Pferde dabei und Ralf stellte auch noch einige seiner Pferde zur Verfügung. So ergaben sich 5 Gruppen mit je einem Pferd und zwei Menschen. Die einen ritten und der oder die andere schaute zu. Oh je, was hat sich da alles im Laufe der Zeit eingeschlichen. Auch bei unseren „Profis“.

Viele von uns sind ja im Laufe der Zeit selber in Physiotherapeutischer Behandlung, aber die wenigsten „Physios“ kennen sich mit den speziellen Bedürfnissen und Anforderungen eines Reiters aus. Teilweise halten sie reiten sogar für nicht förderlich. Andererseits sind jedoch die wenigsten Trainer physiotherapeutisch bewandert.

Melina Abratis jedoch ist selbständige Physiotherapeutin aus Rehden im Landkreis Diepholz, Pferdebesitzerin und Reiterin. Also jemand, der das Problem aus eigener Erfahrung und aus verschiedenen Aspekten kennt. Dies machte die Fortbildung zu etwas ganz besonderem. Und so waren Ihre Beobachtungen zu unseren reiterlichen Schwächen auch sehr treffend. Unsere Schwachstellen wurden „gnadenlos“ von ihr entlarvt. Doch nicht nur das. Nach einem sehr schmackhaften Mittagessen – von Melanie Seedorf hervorragend zubereitet - ging es zunächst mit theoretischen Ausführungen weiter. Sie zeigte uns einige generell für reiterliche Schwächen gute Übungen. Und dazu einige Übungsutensilien, die sich aber leicht in jedem Stall finden lassen, und die ungefährlich zum Gebrauch auf dem Pferderücken sind. Logisch, dass jedem zum Gespräch etwas einfiel. Der eine oder andere dachte an Reitschüler, die er/sie unterrichtet ( vielleicht aber auch an sich…) Interessant zu sehen, wie sich das Gespräch entwickelte. Viele von uns benutzen schon entsprechende Übungen und waren damit auf einem schon guten Weg. Melina gab uns noch Tips, wie wir noch bessere Ergebnisse erzielen könnten. Und natürlich blieben auch wir nicht ungeschoren. Jede und jeder von uns erhielt die für ihn/sie notwendige Übung/en um zumindest an einer Hauptschwäche zu arbeiten. Einige durften ihr Brustbein in die Höhe strecken, andere bekamen Übungen für die Bauchmuskeln, andere durften ihre Hüftbeuger dehnen oder ihre Schultern wieder in die gleiche Höhe bringen. Hilfsmittel waren Bälle, Keulen, Horseballs.

Doch Theorie ist gut, aber Praxis ist besser. Also ging es wieder rauf aufs Pferd.

Jede und jeder von uns durfte nun Übung seine oder ihre Übungen auf dem Pferd umzusetzen. Denn eins ist klar: Je besser ein Trainer weiß, was er da von seinen Schülern/innen verlangt, desto besser kann er/sie es erklären und desto besser können es die Schüler/innen umsetzen.

Beim Reiten beobachten wir uns wieder gegenseitig. Erstaunlich wie schnell sich sichtbare Veränderungen eingestellt hatten. Sowohl sichtbar als auch von den Reitern/Reiterinnen fühlbar. Ach ja: das sichtbar bezieht sich nicht nur auf den Sitz des Reiters, sondern auch auf das gerittene Pferd. Denn die sind die gnadenlosesten Spiegelbilder des Reiters.

Abschließend gab es die übliche Feedbackrunde bei leckerem Kuchen und Kaffee oder Tee. Und was kam als Fazit raus?

Super interessante Veranstaltung. Sollte auf jeden Fall wiederholt werden. Viele der Teilnehmer/innen – insbesondere die Trainer- waren auch der Meinung, dass ein solcher Ausbildungsaspekt unbedingt in die Trainerausbildung gehört. Der Anspruch an die Trainer wird heutzutage immer größer. Natürlich sind wir alle keine Physios geworden. Aber unser Auge wurde sensibilisiert – und das ist viel viel mehr Wert.Viele der Teilnehmer wünschen sich auch eine Wiederholung /Fortsetzung dieser Veranstaltung

Ein weiteres Fazit des Kurses war, dass es sehr sehr wichtig ist, dass sich die Trainer immer mal wieder miteinander austauschen können. Neben dem eigentlichen Thema gab es gegenseitig noch viele Interessante Gespräche und Meinungsaustausche. Diese Idee sollte auf jeden Fall weiter verfolgt werden.

Und die Umsetzung in die Trainingspraxis: eine meiner Reitschülerinnen durfte am nächsten Tag gleich von meinem neu erworbenen Wissen profitieren. Zufälligerweise hatte sie in der darauffolgenden Woche einen Termin bei ihrer Physiotherapeutin. Der berichtete sie, was ich gesagt hatte – und – es gab tatsächlich eine muskuläre Erklärung dafür. Reittrainer und Physiotherapeut als Team – das wäre ein Traum und für alle Beteiligten eine gewinnbringende Situation.

In diesem Sinne: Danke an Ralf und Melanie von der Roofman Ranch und ganz großen Dank an Melina Abratis, die uns dieses doch recht komplexe Thema super verständlich und kurzweilig nahe gebracht hat.

Und was sollten wir uns alle für das nächste Jahr vornehmen: Nicht nur die Pferde müssen trainiert werden, sondern auch die Reiter. Nicht nur unsere pferdigen Partner brauchen Physiotherapeuten und Osteopathen, sondern die Reiter auch. Und nicht zuletzt: für uns alle ist es selbstverständlich, unsere Pferde am Anfang des Trainings aufzuwärmen und zu dehnen. Doch vergessen wir, dass auch wir als Reit-SPORTLER uns aufwärmen und dehnen müssen.

Nur gemeinsam können wir diesen Sport lang und einigermaßen gesund ausüben! Man sollte nicht immer nur an das Pferd denken, wenn etwas nicht so „durchlässig“ ist. Oft genug ist der Grund der Reiter selber.

In diesem Sinne wünsche ich allen Pferdefreunden ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr!

Elke Krüger

Trainer B